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Siegfried Thiel - Fast 1000 Jahre bewegte christliche - Geschichte 1030 und 1046 – zwei Meilensteine für die Großgemeinde Tschanad

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„1030 wurde das Bistum Tschanad/Cenad/Csanád gegründet und diesen Jahrestag begehen wir“, heißt es nicht selten in Tschanad, wenn am 24. September das Fest des Heiligen Gerhard von Sagredo begangen wird. Nicht jeder nimmt es so ganz genau mit der Geschichte. Andere behaupten, dass Kirche und Gerhardus einen so hohen Stellenwert genießen, sei eigentlich viel mehr wert, als alle „Details zu Geschichte“. In der übervollen Kirche hieß es an diesem Tag des Jahres 2009 bei den hohen geistlichen Würdenträgern, die sich auch in der Tschanader römisch-katholischen Kirche eingefunden hatten, es sei ein besonderes Vermächtnis, das der Hl. Gerhardus, der erste Bischof der Diözese, hinterlassen hat. Am 24. September wird eigentlich der Todestag von Bischof Gerhard (1046) begangen. 91 anwesende Pfarrer – auch anderer Glaubensgemeinschaften – zählte 2009 ein Dorfansässiger. 
Irgendwie doch ein Gemeindefest
In der Gemeinde selbst ist an diesem Tag Festtagsstimmung. Dabei muss man nicht unbedingt Katholik sein, um den Sonntagsanzug aus dem Schrank zu nehmen. Straßenhändler mit allerlei Kitsch warten auf Kinder, die an diesem Tag – so scheint es zumindest – früher als üblich mit ihren Schulranzen auf den Straßen der Großgemeinde an der Grenze zu Ungarn zu sehen sind. Die Dorfkneipen haben Hochkonjunktur. Bürgermeister Nikolaus Crăciun hat die Bürgermeisterin aus Ungarisch-Tschanad/Magyar Csanád und den Gemeindevize aus Apátfalva zu Besuch, Gläubige aus Ungarn, aus den Kreisen Temesch und Arad sind dabei und für die Schüler den katholischen Lyzeums Gerhardinum aus Temeswar/Timi{oara ist es an diesem Tag so etwas wie eine Pflichtaufgabe, in ihrer spezifischen Schuluniform ins 80 Kilometer entfernte Tschanad zu reisen. „Jede Glaubensgemeinschaft erhält in Tschanad aus dem Kommunalhaushalt die gleiche Summe, um ihr Kirchenfest auszurichten“, sagt der Bürgermeister Nikolaus Cr?ciun. Er hat als Katholik die letzten Jahrzehnte Kirchweihfest in Tschnad miterlebt. In diesem Umfang war das Fest – vom christlichen Standpunkt her – vor mehr als zwei Jahrzehnten undenkbar. Über Jahre hinaus hatten die Deutschen ihr Kirchweihfest zu Ehren dieses Tages mit Trachtenaufzügen abgehalten. Meist fand dies jedoch Anfang September statt: Der Schüler wegen, die nach dem 15. September schwer für ein dreitägiges Fest zu haben waren und auch wohl strategisch gesehen: Die damaligen Machthaber hätten es bestimmt mit bösen Augen gesehen, wenn die Kirche in Tschanad zu Ehren eines Bischofs zum Banater Wallfahrtsort geworden wäre. Der katholische Gemeindepfarrer Daniel Groza glaubt – zum Unterschied vom Bürgermeister - nicht, dass den Kirchenfesten im Ort global die gleiche Bedeutung zukommt: „Einem Fest dieser Bedeutung gebührt ein höherer Stellenwert. Der 24. September müsste zum Gemeindefest erklärt werden“, sagt der Priester. 
Geschichte ist eben Geschichte
Die Daten über die Bischofsweihe des Heiligen Gerhard und die Gründung der Tschanader Diözese sind verschieden. Einige Daten berichten vom Jahr 1035, der Pfarrer Gheorghe Coto{man schreibt in der Monographie „Din Trecutul Banatului“/Aus der Geschichte des Banats“, „um das Jahr 1036“ sei die Diözese gegründet worden. „Die Pressburger Annalen (Bratislava/Pozson) verzeichnen 1030 die Bischofsweihe  des Heiligen Gerhard. Es ist der eigentliche Geburtsakt der Diözese Tschanad. Gründer der Diözese war der Heilige Stefan, der erste christliche König Ungarns, der den  Heiligen Gerhard im Jahre 1030 zum Bischof der neu errichteten Diözese ernannte“, schreibt Drd.Claudiu C?lin, Archivar im römisch-katholischen Diözesanarchiv in Temeswar. Die Daten des Archivars werden am häufigsten gehandelt und deshalb geht auch unsere Redaktion davon aus, dass diese den Verhältnissen entsprechen oder zumindest am Nächsten kommen.
Gerhard von Sagredo
Es ist bekannt, dass der aus Venedig-Murano stammende Gerhard/Gerardo Priester und Benediktinermönch war. Bevor er zum Bischof ernannt wurde, war er Erzieher des Heiligen Emmerich/Imre, des Sohnes und Nachfolgers Stefans. Die Vita Sancti Gerardi, eine für`s Banat sehr wichtige Geschichtsquelle, stellt nicht nur die Bemühungen des Heiligen Gerhard um die Verbreitung des Christentums in der Diözese dar, sondern auch seine organisatorischen Maßnahmen. Dazu gehört die Gründung des Tschanader Domkapitels. Die ersten Domherren waren gleichzeitig Lehrer an der neu gegründeten Theologischen Schule, die erste dieser Art auf dem Gebiet des heutigen Rumänien. In  Tschanad gab es damals außer der  Theologischen Schule zwei Klöster, die dem Heiligen Gerhard unterstellt waren. Der Heilige Gerhard gründete im Gebiet zwischen Marosch, Theiß, Donau und den  Karpaten mehrere Pfarreien, errichtete Kirchen und taufte zahlreiche Heiden. Außer seiner pastoralen und organisatorischen Tätigkeit in der neuen Diözese hat der Heilige Gerhard mehrere theologische Schriften verfasst, von denen eine einzige erhalten ist: Deliberatio Gerardi Morisenae Aecclesiae Episcopi Supra Hymnum Trium Puerorum ad Isingrimum Liberalem. Diese Schrift befindet sich heute in der Staatsbibliothek  München (Signatur CLM 6211).  
1046 nimmt das Leben des Heiligen Gerhard ein tragisches Ende. In dieser politisch, religiös und militärisch bewegten Zeit wurde er am 24. September, von heidnischen Rebellen in Buda von einem Felsen in die Tiefe gestürzt. Dieser Fels trägt heute seinen Namen: Sankt Gerhardsberg (Gellérthegy). Der Leichnam des Heiligen Gerhard, der für seine Glaubensüberzeugung den Märtyrertod erlitt, wurde 1053 in den Tschanader Dom überführt und in einen einfachen, aus Stein gemeißelten und bis heute erhaltenen Sarkophag gelegt, der heute den Altar der römisch-katholischen Kirche bildet. Die Gebeine des Heiligen werden  von seinen geistigen Erben als Reliquien verehrt. 1083 wird Gerhard  heilig gesprochen. 
Trotz großer Veränderungen – ein bedeutendes Fest
Nach der Zerstörung durch die Tataren und einer 164 Jahre andauernden Türkenherrschaft wurde ab 1716, nach der Befreiung der Stadt Temeswar und des gesamten Gebietes der Diözese aus der Gewalt der Türken durch die Truppen Prinz Eugens von Savoyen, die Voraussetzungen für den Wiederaufbau der Diözese geschaffen. Szeged ist nun der neue Sitz des  Tschanader Bischofs Ladislaus von Nádasd. Hier wird auch das Domkapitel wieder eingesetzt. Sechzehn Jahre später (1732) verlegt Bischof Adalbert von Falkenstein den Bischofssitz von Szeged nach  Temeswar. Im Jahre 1740, siedelt auch das Domkapitel in die Stadt an der Bega um. Am 5. August 1736 legt Bischof Adalbert von Falkenstein den Grundstein für den  Bau eines neuen Doms in der Diözese Tschanad. Der Bau des Doms erfreut sich der Schirmherrschaft des Kaisers Karl VI. und der Kaiserin Maria Theresia. Erbaut in  einem wunderschönen Barockstil, bleibt die Kathedrale, die den Temeswarern auch unter den Namen „Domkirche“ auf dem gleichnamigen Platz in der Temeswarer Innenstadt bekannt ist. Das rumänische Gebiet der ehemaligen Tschanader Diözese wird am 17. Februar 1923 in eine Apostolische Administratur mit dem Sitz in Temeswar umgestaltet.  Domherr Augustin Pacha wird zum Apostolischen Administrator ernannt. Im selben  Jahre verlässt der letzte Bischof von Tschanad, Dr. Julius Glattfelder, definitiv die Stadt Temeswar.  
1930 wird die Apostolische Administratur Temeswar zum Rang einer  Diözese erhoben. Dr. h. c. Augustin Pacha, der bisherige Titularbischof von Lebedo, wird zum ersten Diözesanbischof von Temeswar ernannt.  
Nach der Wende wird die Temeswarer Diözese wiederbelebt und Sebastian Kräuter zum neuen Diözesanbischof geweiht. 1999 wird Diözesanbischof Martin  Roos zum 90. Nachfolger des Heiligen Gerhard.  
Bischof László  Böcskei, aus der Großwardeiner Diözese zelebriert die Messe in Tschanad  
Römisch-katholische Kirche in Tschanad: Am 24.September immer bis auf den letzten Platz gefüllt 
Fotos: Zoltán Pázmány
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